Република Македонија (Mazedonien) 2005

Republikës Se Shqipërisë (Albanien)

Dieser Bericht ist als Online - Tagebuch entstanden. Während der Fahrt wurde täglich in einem Internetcafe der Eintrag gemacht.

Zähler: 29688

16.07.2005
Bruck
Noch zu Hause!. Die Taschen sind gepackt, das Rad überprüft, die Papiere sind in Ordnung, das Wetter bestens organisiert, die Vorfreude groß.
Na dann ....

17.07.2005
Skopje
Karte

Offizieller Name: Република Македонија
Fläche: 25.700 km² (Österreich 84.000 km²)
Einwohner: 2 Millionen (Österreich 8 Mio)
Währung: Denar (1 Euro entspricht 60 Denar)
Große Städte: Skopje (Hauptstadt 444.000), Bitola (77.000) Kumanovo (72.000), Tetovo, Ohrid
Höchster Berg: Golem Korab 2753m
Grenzt an Albanien 151 km, Bulgarien 148 km, Griechenland 246 km, Serbien und Montenegro 221 km

Soweit der lehrreiche Teil und jetzt die Erlebnisse:
In Salzburg hab ich das Fahrrad zerlegt (Pedale runter, Lenker längs gestellt, Luft teilweise raus).
Der Flug war ok - das Fahrrad kam mit mir in Skopje an.
Rad geholt, Gepäck geholt, Lenker quer gestellt, Pedale montiert - Luft aufgepumpt, aufgepumpt, aufgepumpt, aufgepumpt, ... Der hintere Schlauch war hin - Gott sei Dank hatte ich Ersatz mit (ist doch logo...). In der Ankunftshalle Rad umgedreht, Rad raus usw.
Danach hat dann meine Pumpe den Geist aufgegeben (Der Pumpschlauch ist geplatzt). Aber ich hatte ja noch die Ersatzpumpe.
Ganz voll wurde der Reifen nicht. Ich dachte mir, jetzt geh ich zur nächsten Tankstelle und dort pumpe ich auf.
Ich packte dann das Rad auf und bin aus dem Flughafengebäude auf den Vorplatz gewandert. Da haben ein Haufen Leute (auf mich??) gewartet. Alle haben Platz gemacht und mich bzw. mein aufgepacktes Rad angestarrt. Taxifahrer haben sofort (unnötigerweise) ihre Leistung angeboten. Sie erwiderten meine Frage nach der nächsten Tankstelle gleich auf Deutsch.
Sie erklärten mir, dass die nächste Tankstelle 5 km im nächsten Ort sei. Naja, hab ich mir gedacht, fahr ich halt mit den halbaufgepumpten Reifen und dann pumpe ich voll.
ABER: da versagte auch der vordere Reifen.
Mir hat`s gereicht. Die ersten 5 km bin ich dann doch mit dem Rad mit dem Taxi gefahren. Der Fahrer ist mit 12 Jahren nach Oldenburg (Friesland) gekommen und hat dort die Schule besucht und ist nach 5 Jahren in Deutschland wieder zurück nach Makedonien.
Nach dem Reifenwechsel ist es endlich losgegangen.
Gleich ist mir ein KFOR - Auto untergekommen (Kennzeichen fotografiert), auch Kosovaren haben eigene Kennzeichen, aber das ist dann der andere Teil meiner Homepage.

Nach 22 Kilometern (mehr wurden es heute nicht mehr) bin ich im Zentrum von Skopje gelandet.

19.07.2005
Struga
Um 5 Uhr bin ich auf, bis 6:00 Uhr zusammengepackt, noch ein kleines Frühstück.
Am alten Bahnhof von Skopje (heute Museum) sind die Zerstörungen vom Erdbeben 1963 sichtbar - die Uhr wurde auf dem Zeipunkt der Zerstörung stehen gelassen.
Beim Rausfahren aus der Stadt bin ich vor lauter Autokennzeichen - Suchen nicht so recht weitergekommen.
Aber endlich war ich dann auf der Ausfallstrasse, die dann in die Autobahn mündete. Bei der Mautstelle bin ich beim Schalter "special vehicles" durchgefahren - hab natürlich keine Maut bezahlt. Nur mit der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h hatte ich so meine Schwierigkeiten : - )
Autobahnfahren mit dem Fahrrad ist etwas öd, aber man kommt weiter, vor allem, wenn es keine durchgängige ordentliche Landstrasse gibt.
Im weiten Tal des Flusses Vardar kam ich weiter bis Tetovo.
Tetovo ist eine Stadt im Norden Mazedoniens, etwa 60 km westlich von Skopje, mit etwa 71.000 Einwohnern.
Tetovo liegt 468 m über dem Meereshöhe, am Anfang des fruchtbaren Pologtals. Tetovo ist eine gut entwickelte Textilindustriestadt.
Seit Jahren lebt die Stadt von den im Umland stationierten KFOR - Truppen. Die ehemals vorhandene kleine Industrie muss nach den Kriegswirren erst langsam wieder aufgebaut werden.

In Tetovo begab ich mich auf Suche nach Ersatzschlauch. Gute Ansprechpartner sind dabei immer wieder Taxifahrer - sofort fanden sich fünf, die in Deutschland oder der Schweiz waren. Einer fuhr mir vor, denn er war der Meinung, ich würde eh nicht verstehen, wenn er mir den Weg erklärt.
In dem kleinen Radgeschäft holte der Chef sofort Schläuche der passenden Größe heraus (slowenische=Superqualität, chinesische sind billiger) - ich entschied mich für die slowenischen. Leider hatte er nicht das schmale Ventil, dass ich für meine Felgen benötigte - dieses Problem löste der Händler sofort, indem er mir noch zusätzlich eine kleine Rundfeile verkaufte.
Ein Besuch im Markt zeigte mir, welche mickriges Gemüse - und Obstangebot doch bei uns im Pinzgau herrscht. Tomaten - rot, reif, Bananen, Paprika, Melonen, Kürbisse, Gewürze, ... (der Naschmarkt aus Wien grüsst).
Bis nach Gostivar fuhr ich wieder auf der Autobahn - die Polizei überholte mich mehrmals (und war dabei immer auf dem Überholstreifen, obwohl die Normalfahrbahn leer war und ich auf dem Pannenstreifen fuhr).
Neben der Autobahn waren 2 mal tolle Schwimmbecken (mit wenig Liegeflächen), schauten sehr verlockend aus, aber außer dem Bademeister war niemand dort.
Nach Gostivar entschied ich mich doch für die Bergaufvariante in den Nationalpark Mavrovo.
15 km stetiger Anstieg, teilweise in der prallen Sonne, ließen mich teilweise mein Rad schieben.
Oben in 1200 m Seehöhe angekommen, erlebte ich einen grossen ruhigen Stausee.
Ich fand auch ein Hotel (8 Euro die Nacht) und daneben ein Restaurant (ich war der einzige Gast).
Im Restaurant fand ich den Koch und einen Dauergast aus der Nachbarschaft.
Er kochte für mich Rybi (Fisch aus dem See). Der war ausgezeichnet, mit Paprika, Tomaten, Brot.
Mit dem Dauergast (Pensionär) und dem Koch habe ich mich dann lange unterhalten - wieder mal konnte keiner die Sprache des anderen, aber mit meinem Heft, Zeichnungen und übertriebenen Gesten, kamen wir zusammen.
Die Frage ist immer, woher, wohin.
Dann: Wie teuer mein Rad gewesen sei?
Und dann ungläubige Blicke zwischen den beiden. In Makedonien kostet ein Rad 150 - 200 Euro.
Der Pensionär verdient 90 Euro. 1 Liter Milch kostet 1 Euro. 1 Liter Benzin 1,10 Euro. 1 Brot 30 Cent.
Gleich am anderen Ende des Sees sah man am Berg Schilifte. Der alte Mann berichtete stolz, dass diese Lifte von der Firma Doppelmayer seien (einer österreichische Liftbaufirma, die allen Salzburgern vom Schifahren gut bekannt ist).
Um 20:00 Uhr haute ich mich in die Federn.

19.07.2005
Struga, am Nordufer des Ohrid - Sees
Für den heutigen Tag hatte ich einen lockeren Tag erwartet.
Um 7:00 Uhr startete ich hoch oben beim Stausee und freute mich auf 100 km Bergabfahrt (solls ja geben).
Kühl war`s, traumhafte Berglandschaft, ein sauberer Fluss und das ganze bergab.
Beim Kloster Manastir Sveti Jovan Bigorski machte ich Pause und rollte dann weiter bergab.

Ich schaue immer wieder bei meinen Fahrten, welche Beziehungen ich zu Österreich finde. Natürlich lag am Strassenrand der rote Bulle (red bull) (bzw. sein Behältnis) herum. Auch andere Getränkepackungen (Firma Pfanner, Firma Rauch) verunstalteten die Strassenränder. Aber als ich an einem kleinen Bife (Бифе) Pause machte und mir dort Brot und Streichkäse holte - schaute mich der Streichkäse in Form von >Happy cow< an. Erst als ich genauer las (bzw. meine Lesebrille aufsetzte), erkannte ich, dass mir ein Käse der Firma Wörle aus dem Flachgau (nördlich von Salzburg) schmeckte. Da erkennt man, was es heisst, wenn in der Zeitung von Export geschrieben wird. In Skopje fand ich ein Radgeschäft mit KTM - Rädern.

Es war heute (und sicher auch weiterhin) fürchterlich heiss (zumindest für mich). Ab und zu fanden sich an der Strasse Quellfassungen, aus denen wunderbar kaltes Wasser heraussprudelte - Gesicht waschen, Hände waschen, trinken, Flaschen anfüllen, rasten - gibt es was Schöneres?

Angehupt werde ich immer wieder, von den meisten Fahrern erhalte ich ein freundliches Winken. Immer wieder, wenn ich stehen bleibe, werde ich auf Deutsch angesprochen ("war in Deutschland in der Schule und bin jetzt wieder da / war in der Schweiz, in Venedig / ...")

Einmal habe ich mich mal für 1 Stunde an einen der Stauseen niedergelassen und im Schatten geschlafen.

Während des Tages lebte ich von Wasser, Wasser, Wasser (heute ca. 5 Liter), etwas Kaffe, 2 Cola und Paprika, Tomaten und Bananen (und auch 2 Eckerl Streichkäse und etwas Brot).

Zweimal wurde mir heute angeboten, das Rad aufs Auto zu legen und mitzufahren, aber ...

Hunde gibt es fast keine, ich wollte schon heute ein Loblied auf Hunde schreiben, bis ich bei einer Hütte vorbeikam, wo 5 Hunde warteten und sich auf mich stürzten. Alle bellten, kreisten mich ein, ich blieb stehen und schimpfte (kann leider nicht makedonisch). Einer biss offenbar in den Radständer, ein andere in die Satteltasche. Der Besitzer schimpfte, schrie und ich fuhr zitternd weiter, in der Hoffnung, dass nicht einer der Hunde den Reifen erwischt hatte - und meine Füsse heil geblieben waren.

Endlich kam ich zum Ohrid - See (349 km², 693 m über dem Meeresspiegel, 286 m tief) (noch nicht ganz, weil ich mir ein Hotel suchte, für 2 Nächte buchte, und ins Internet - Center ging).

20.07.2005
Struga
Heute fuhr ich einfach eine `lockere` Seerunde. Von Struga nach Ohrid, weiter entlang am Ostufer bis zur albanischen Grenze. Dann weiter am Südufer Pogradec und wieder nach Norden. Länge laut Karte 90 km.

Also um 7:30 Uhr fuhr ich los, und landete im Hauptort Ohrid an diesem See (zweitgrösste Stadt in Makedonien, mit eigenem Flughafen). Wer Ohrid nicht gesehen hat, war nicht in Makedonien.
Es erwartete mich ein morgenlicher Fremdenverkehrsort mit vielen (gerade geputzt werdenden) Lokalen. Jeder kehrte vor seiner Tür (wo sonst: - ).
Die Lage mit dem Burghügel ist reizvoll.

Dann fuhr ich entlang des Sees und bekam grosse Augen. Glasklar lag der See am steilen Ufer rum, grober Schotter lud zum Baden ein. Überall lagen schon die Gäste - ich dachte, ich bade dann am Nachmittag.
Durch militärisches Erholungsgebiet (Fotografieren verboten), wo sich die jungen Burschen vergnügten, entlang tausender kleiner Restaurants/Cafes/Bifes radelte ich vergnügt dahin. Es war ein Traum. So sauber wie der Zeller See (im Salzburger Land), aber wie sich herausstellte 25 Grad warm.
Auch zwei Campingplätze passierte ich. Endlich waren auch Touristen zu finden, aus anderen Teilen Makedoniens und Serbiens, auch mit Wohnwagen.

Ein Tipp (Peter Hering) bei der Vorbereitung war, den südöstlich des Ohrid - Sees gelegenen Prespa - Sees auch aufzusuchen. Hatte ich vor, als ich aber die ansteigende Strasse irgendwo hoch oben sah, kam mir dieser See nicht ganz so wichtig vor und ich beschloss, doch am Ohridsee weiterzufahren.
Die Strasse verliess dann das Seeufer, da ein Felsvorsprung dieses erzwang. Und schon gings es wieder mit 10% nach oben - und heiss war es sowieso schon. (Gestern hatte es 38 Grad).

Endlich oben kam der Lohn des mühsamen Aufstiegs - eine 3 km lange Abfahrt.
Schon näherte ich mich der albanische Küste und besuchte (auch auf Empfehlung von Peter Hering bei der Vorbereitung) den Ort Sveti Naum.

Dann der Grenzübergang nach Albanien. Eine kleine Grenzstation empfing mich, der Schalterbeamte warf seinen Computer an (was in Wirklichkeit ein grosses Heft war, in das er zeilenweise seinen Daten eintrug.) Der Hinweis auf Computer beantwortete er mit einem müden Lächeln.
1 Tag Albanien kostet nichts, für mehrere Tage ist eine Gebühr von 10 Euro fällig.

Auch hier am Südüfer wurde gebadet, der Strand wurde flacher, durch den Wind von Norden sammelte sich etwas Müll (in Form von Plastik) auch an Teilen des Strands. Aber abgesehen davon wirkte der Strand gefällig, mit viel Badegästen, Cafes..., und auch Schwimmhilfeverkäufer (Schwimmreifen, Schwimmtiere usw.)
Natürlich fröhnte ich auch hier meinem Hobby Autokennzeichen.

Apropos Autokennzeichen: Wenn man hier schaut, scheint die halbe Schweiz hier zu sein, Schweizer Autokennzeichen aus allen Kantonen sind hier vertreten, auch österreichische Kennzeichen sieht man (auch ein ZE - Pinzgauer). Deutsche Autokennzeichen sieht man weniger, aber heute hatte ein Pferdefuhrwerk das Autokennzeichen aus Rosenheim drauf - naja, ist ja weitgereist damit.

Es gibt hier sehr viele Auto - Fetischisten. Immer wieder sieht man Auto - Waschplätze, Herumschrauber, Autoteilhändler, "Auto - Pise", Herumdröhner, Kavalierstarter, Auspuffröhrer (die hört man). In den Strassen der Innenstädte gibt es Verstopfungen, die aber immer gütlich gelöst werden.

In Albanien ist mir gleich aufgefallen, dass eine Unmenge von Mercedes und BMW unterwegs sind. Albanien hat die grösste Mercedes - Dichte in Europa.

Ich habe auch einige Eseln gesehen, eine zusammengefahrene Schildkröte, einzelne angebundene Kühe und Pferde und eine grosse Schafherde.

Gleich nach der Grenze und auch während der Fahrt durch Albanien fielen mir die vielen Ein - Mann - Bunker auf. Ich hatte es nicht geglaubt, aber alleine heute hab ich sicher 200 dieser Dinger gesehen. Sie sind Reste des Regimes von Enver Hoxha. Er liess ca. 600.000 Bunker an strategisch wichtigen Punkten bauen, um die Unabhängigkeit zu sichern, wofür gezielt die Betonindustrie angekurbelt und teurer Spezialstahl importiert wurde. Die gesamte Küste ist mit größeren Bunkern für Geschütze und kleineren für Personen durchzogen worden. Durch die massive Bauweise wäre eine Beseitigung sehr kostenintensiv, deshalb lässt man sie noch heute stehen.

Am Westufer in Albanien kam ich dann endlich zu meinem Badevergnügen. Warm, frisch, angenehm, klar - ich schwamm eine halbe Stunde - das sollte man öfter haben (ich hab ja eh den Zellersee vor der Haustür!).

Dann setzte ich mich wieder auf mein Rad und fuhr zurück zu meinem Hotel in Struga. Aber da hat irgendwer einen Berg dazwischengestellt.
Über einen Pass auf 911 m rauf in der prallen Sonne (die Sonne ist da offenbar immer prall), von Baumschatten zu Baumschatten plagte ich mich die sanfte Steigung hinauf.
Ganz ganz oben war die Grenzstation zu Makedonien mit vielen dieser schönen Bunker unterschiedlicher Grösse (warum haben die da oben hingebaut?).
Aber dann belohnten mich 12 km Bergabfahrt und ich landete wieder bei meinem Hotel Royal in Struga.

Brausen, Radlerhose waschen, Radlerleiberl waschen, Kapperl waschen - umziehen, ins Internetcafe (dieses hier hat sogar eine Klimaanlage). 1 Stunde Internet kosten 30 Denar (50 Euro - Cent)!

Zum Geld:
In Makedonien - Makedonien heisst Mak(!)edonien und nicht Maz(!)edonien - gilt der Denar. Er ist fix an den Euro gebunden. 60 Denar sind 1 Euro. Mit Euro kann man überall bezahlen, bekommt aber Denar heraus (wenn es kleine Beträge sind - in Restaurants, Hotels erhält man aber auch Euro zurück). Euromünzen werden nicht immer genommen. Von den Denars gibt es 1 - Denar / 2 - Denar und 5 - Denar - Münzen. Scheine gibt es ab 10 Denar.

Der kurze Ausflug nach Albanien zeigte, dass dort die makedonischen Denar nur im Grenzgebiet zum MK angenommen werden. Die albanische Währung heisst Lek (125 Lekё = 1 Euro). Mit Euro kann man überall bezahlen.
Ich bin begeisterter Euro - Nutzer!!

Meine Reisepläne habe ich Albanien betreffend geändert. Ich werde morgen bis Elbasan fahren, dann weiter nach Durrёs an die Adria und dann weiss ich noch nicht so genau.

21.07.2005
Elbasan
In der Früh nach einem kleinen Frühstück habe ich mein Hotel Royal verlassen und mich aufgemacht die Höhe zur Grenze nach Albanien zu erklimmen.
Mit Freuden stellte ich fest, dass es bewölkt war und daher leicht gehen sollte. Tat es dann auch. In 1 Stunde war ich die 15 Kilometer gefahren. Ein wunderschöner Blick auf den Ohridsee belohnte mich und die vielen Bunker gaben wieder ein unwirkliches Bild ab.
Bei der Grenze (933 m) durfte ich dann der Autokolonne wieder vorfahren und kam - nach Bezahlung von 10 Euro Einreisegebühr - ins albanische Land.

Heute soll es bin aufs Meeresniveau gehen (zumindest auf 100 m). Daher rechnete ich mit ausgiebiger Bergabfahrt.

Republikës Se Shqipërisë (Albanien)
Fläche: 28.748 km²
Einwohner: 3,5 Mio
Hauptstadt: Tirana (550.000 Einwohner)
Sprache: Albanisch
Religionen: Muslim, Orthodoxe und Katholiken
Währung: Lek, 125 Lekё entsprechen 1 Euro

Die Strasse ist ausgezeichnet (von einer türkischen Firma erbaut) - neu angelegt, sauber asphaltiert. Am Anfang war es eine Freude, aus den Höhen ins die Flusslandschaft des Shkumbin einzutauchen. Bald tauchte auch die Eisenbahnlinie neben der Strasse auf - etwas baufällig schaute sie schon aus, aber 2 mal am Tag fährt ein Zug von Durrёs (an der Adria) zum Ohridsee.

Das Tal war manchmals so eng, dass die Strasse leider immer wieder kurz anstieg und dann wieder abfiel. Dazu kam dann starker Gegenwind.

Jedesmal wenn ich in ein mir fremdes Land komme, hab ich die Ungewissheit: Wie sind die Leute dort? Gibt es Hunde? Gibt es genügend Bars zum Trinken? Gibt es ordentliche Hotels? Gibt es die Möglichkeit, mit der Bahn zurückzukommen?
Aber wenn man hinfährt, dann ist es nicht schlimmer als erwartet - es gibt Tankstellen mit Shop, zumindest das Trinken ist damit gesichert - Geld wird auch angenommen - der Euro gilt überall. Essen tun die Leute auch überall (heute ein Biftek = Beefsteak mit Tomaten, Pommes 4 Euro).

Auch sprachlich läuft es sehr gut. Englisch geht bei den Jungen. Heute habe ich mich eine Zeitlang auf italienisch unterhalten. Ich war überrascht, wieviel Italienisch bei mir aus mehreren Volkshochschul - Semestern hängengeblieben ist.
In Makedonien mit dem kyrillischen habe ich auch nicht mehr die grossen Schwierigkeiten - es hat das 1 Semester Russisch an der Volkshochschule doch etwas gebracht.
Hier in Albanien ist alles in lateinischer Schrift.

Jetzt sitze ich in Elbasan, das ist eine Stadt in Mittelalbanien. Die Stadt liegt am Fluss Shkumbin. Mit rund 100.000 Einwohnern gehört sie zu den größeren Städten in Albanien. In der Stadt wurde 1974 mit chinesischer Hilfe ein riesiges Stahlwerk errichtet. Dessen Emissionen haben bis zur Wende von 1990 große Umweltschäden in der Region angerichtet. Mittlerweile ist das Werk, in dem einst tausende Arbeiter tätig waren, verfallen und größtenteils außer Betrieb. Der Verlust der meisten Industriearbeitsplätze konnte nicht ausgeglichen werden, so dass heute in Elbasan große Arbeitslosigkeit herrscht.

Bisher habe ich täglich mehr als 100 km zurückgelegt, heute waren`s nur 75 km - aber mir reicht es (insgesamt 400 km).
Morgen bis Durrёs an der Adria, das soll ja die eigentliche Hauptstadt sein.

Ein Problem, das ich heute erkannt habe, ist wie ich nach Makedonien zurückkomme. Aber ich habe ja die Eisenbahn gesehen, ich glaub, das nutze ich. Sehe ich erst morgen in Durrёs.

Das mit den Autokennzeichen aus dem Bericht von gestern muss ich noch erklären (da bin ich mit meinen Gedanken gesprungen). Die Schweizer, österreicher, Deutschen sind natürlich Makedonier, die in diesen Ländern arbeiten und mit den Autos hierhergekommen sind. Auf alle Fälle hab ich eine Schweizer Nummer aus dem Jura fotografieren können, die fehlte mir nämlich noch.

Die Polizei kontrollierte - ich habe heute 2 Kontrollen erlebt, bin aber nicht aufgehalten worden. Aber zugewunken haben sie mir, die Polizisten. Sie verstehen auch pinzgauerisch, denn ich grüsse immer mit >Griass euch<, und schon grinsen sie.

Im Fluss Shkumbin badeten Leute, Kinder plantschten herum und sprangen vom Ufer ins Wasser.
Offenbar ist Albanien doch sehr wasserreich (trotz Kalkgebirge). Immer wieder sind Brunnen am Strassenrand, meist sitzt da auch einer daneben und bietet wassergekühlt Obst und Säfte an. An diesen Brunnen kann man sich das Wasser über den Kopf rinnen lassen - man kann das Wasser bedenkenlos trinken (es ist kalt und köstlich).

22.07.2005
Durrёs
Heute hab ich das kühle Wetter ausgenutzt und bin sofort um 6:00 Uhr weg. War das angenehm!
Die Strasse war traumhaft (ich hatte auch 200 m lang einen Wüstenpiste vor mir), aber dann mit den LKWs, mit den Bussen, den Mercedes, den anderen Vehikeln von hinten war es ein Vergnügen (jeder brachte den Wind in die richtige Richtung).

Das Flusstal wurde weiter, die Berge niedriger.
In der unbewohnten Flussebene wird Mais, Wein, Gemüse, Obst angebaut. Auch Schotter - nur der wird abgebaut.

Der Milchsammler war wieder unterwegs (wie der damals in Rumänien - es war aber ein anderer). Ein Foto liess er erst machen, als ich betonte, dass ich Tourist aus Austria (Ah, Austria!) war.

Albanien war ja lange Zeit unter chinesischem Einfluss. Heute merkt man das noch an Betonsäulen, die in der Landschaft herumstehen, auch Bauwerke (z.B. Eisenbahntunnel) tragen den chinesischen Stern und Landwirtschaftsgeräte werden neu verkauft (siehe unten Fotos).

Hier sind auch vermehrt Pferde und Esel - Fuhrwerke unterwegs. Bei einer Mühle bin ich gleich stehen geblieben und hinein. Da sind die Mehlsäcke herumgestanden, es hat wunderbar gerochen und die Leute haben sich unterhalten - ich hab mir das angeschaut und dann noch ein Abschlussfoto gemacht.

Der Transport im Land funktioniert klaglos. Es fahren eine Unmenge von Kleinbussen herum. Wenn man an der Strasse steht, dann wird man innerhalb von 10 Minuten von so einem Bus aufgeklaubt (ich nicht, ich hab ja mein Rad).
Daneben gibt es noch Überlandbusse in die Bezirksstädte.
Es ist erstaunlich, wo die Busse und LKWs herkommen, es handelt sich dabei um gebrauchte Autos aus deutschen Landen. Da findet man Fahrzeuge der Bäckerei aus Lüneburg, des LKW - Transportes aus Bayern usw.

Zur Religion: Ich hatte mehr Orient erwartet. Doch bis auf ein paar Moscheen, grossteils im Neuaufbau, die irgendwo stehen, sind sie nicht flächendeckend. Viele Ortschaften haben keine. Auch christliche Kirchen sind vorhanden.

Akustisch ist das Radfahren auch ein Traum: Zikaden zirpen (oder wie immer das heisst) zu Tausenden, wahrscheinlich Milliarden - anfangs glaubte ich, dass beim Rad die Luft rauszischt. Esel krächzen irgendwo mit ihrer heiseren Stimme, Vögel in Schwärmen zwitschern in den Bäumen, Autos drehen auf, Leute rufen sich zu und vor allem das Hupen. Gehupt wird dauernd, wenn man jemanden kennt, dann wird gehupt, wenn man überholen will, wenn man einen Radfahrer vor sich hat (nämlich mich), wenn man ein Auto, das in 500 m Entfernung einbiegen will, sieht, wenn man in zweiter Spur überholen will, wenn man während des Autofahrens einfach nichts zu tun hat, dann wird gehupt.

Zu den Internetcafes: es ist einfach unglaublich, wieviele von diesen Dingern es gibt. Da gibt es dunkle Kellerräume, in denen Jugendliche genau das tun, was die Gegner der Computerspiele feststellen, sie starren zu zweit oder zu dritt auf den Bildschirm und sind unansprechbar.
Da gibt es solche, wo laute Musik dröhnt, weil der Cafebetreiber meint, das sei eine Disco.
Da gibt es solche, wo gespielt wird, wenn dann einer zum internetteln kommt, dann muss halt so ein Kindlein weg von seinem Spiel.
Da gibt es solche gehobenen Internetcenters, die klimatisiert sind, wo jeder eine sehr gute Ausrüstung hat.
Apropos Cafe: In diesen Internetcafes gibt es nur ganz selten Kaffee.
Grundsätztlich sind diese Internetcenters gut ausgestattet, Windows XP, ab 256 MB und eine recht gute Leitung.

Und jetzt gehe ich Pizza essen und ein Bier trinken. Gute Nacht

22.07.2005
Durrёs 2
Bei einem der hunderten Restaurants am Strassenrand - ist nicht übertrieben - hab ich wieder mal getrunken. Der Besitzer hat mich natürlich gefragt, woher. Der Blick - der spinnt - war klar erkennbar. Sein Onkel - Nono - war im 1. Weltkrieg 1914 als Soldat tätig. Er wäre 1944 von einem dort stationierten deutschen Offizier adoptiert worden. Ausserdem hatte er eine schöne Pendeluhr in seinem Lokal und freute sich, als ich sie fotografierte.

Gegen Mittag kam ich dann in die Durrёs - Gegend. 20 km lang geht die Hauptstrasse in der Entfernung von 400 m vom Strand, man sieht das blaue Meer durchblinzeln. Hotel an Hotel gereiht - dichter geht es nicht - der Strand voller Leute und Sonnenschirmen. Eigentlich war das abschreckend. Die Touristen kamen aus dem Kosovo, aus Serbien, aus Makedonien und natürlich aus Albanien. Hotels werden gebaut - mehr geht nicht - und viele sind nicht fertig. Als erstes wird bei so einem Hotel das Schild an der Strasse errichtet.

Det italienische Einfluss ist in Albanien klar zu erkennen. Daher auch genug Piceri (Pizzeria). Kaffee vom Lavazza usw. Auch die italienische Guardia di Financia arbeitet hier, auch ein italienisches Polizeifahrzeug habe ich hier gesehen.

Ich hatte mir erhofft, dass in der Innenstadt von Durrёs ein recht gutes Hotel für mich bereit stand. Ich fand das *Hotel Durrёs*. Das war das primitivste Zimmer auf dieser Fahrt (bisher). Die Klimaanlage erwies sich als Ventilator, der TV als Gerät mit 1 gut eingestellten Sender (der lokale TVSH=TV Shkoder), die Brause als aus dem Schlauch spritzenden Wasser. Das Rad wurde in meinem Zimmer (neben dem Bett) untergebracht, das Bett hängte durch und knarrte bei jeder Bewegung. Die Kosten mit 2000 Lekë = 16 Euro wurden mir vom Portier mit 20 Euro verrechnet.
Na und??!!!! Für eine Nacht halte ich das schon aus.

Nach einer Pause durchstreifte ich diese Stadt auf der Suche nach einem schönen Stadtplatz oder ähnliches. Nur wo??

Eine Info:
Das ein wenig südlich von der Stadt gelegene Durrës Plazh (alban. für Strand) ist beliebter Badeort von alle Albanern. Der Strand mit vielen Bäumen wurde nach dem Ende des Kommunismus mehrheitlich verbaut. Hohe Appartmenthäuser und zahlreiche (oft illegal errichtete) Hotels dominieren jetzt die Küste an der Bucht von Durrës. Weitere kleinere Strände nördlich der Stadt sind weniger verbaut. Aufgrund der Meeresströmung kann man nur die kleine Strände im Norden empfehlen bei der touristischen Zone in der Currila der Marina Durrёs liegt. Durrës mit den Stränden von Golem und der Piste Ilyria - Teuta mit den illegalen Bauten an den Stränden gilt als ein Zentrum des europäischen Drogenhandels. Einige Hotels dienen auch als Verteiler für den Menschenschmuggel. Zahlreiche Hotels, wurden mit Geldern aus dem Drogen - , Waffen - und Menschenhandel errichtet.
In so einer Gegend bin ich also!!!

Der Hafen Durrёs ist vor allem Fährhafen nach Ancona, Bari, Triest. In der Nähe des Hafens eine Vielzahl von Büros, die Tickets verkaufen.

23.07.2005
Struga
Heute bin ich gleich um 5 Uhr auf, damit ich ja rechtzeitig am Bahnhof bin. Ich hatte mich ganz heimlich entschlossen, Nordalbanien fallen zu lassen. Es waren einfach zu viele Hinweise da, die mich vor allem wegen der schlechten Strasse und des daürnden starken bergauf - bergabs warnten.

So hatte mir Herr Sulzberger von der österreichischen Botschaft Tirana bei meinen Vorbereitungsarbeiten geschrieben:
Sehr geehrter Herr Rottensteiner!
Überfälle auf Ausländer sind eher eine Seltenheit, aber nicht auszuschließen.
Die Straße von Qafe Thane nach Elbasan wurde letztes Jahr komplett ausgebaut, es können aber noch Kanaldeckel fehlen. Die Passstraße von Elbasan nach Tirana wird normalerweise nicht von Fahrradfahrern befahren, weshalb dort äußerste Vorsicht geboten ist. Der Belag auf dieser Strecke ist in Ordnung. Im Großraum Tirana stoßen Sie auf alle möglichen Straßenverhältnisse. Nach Shkoder führt eine neue und eine alte Straße. Auf der neün Straße müssen Sie damit rechnen, dass Autofahrer weit über 100 kmh an Ihnen vorbeirasen. Die Straße von Shkoder nach Kukes ist zum Teil abenteuerlich schlecht, wie mir mitgeteilt wurde. Es ist dies zwar auch die gefährlichste Gegend, aber sobald Sie sich als Ausländer zu erkennen geben und das dürfte mit einem vernünftigen Fahrrad schon der Fall sein, sollte es keine Probleme für die persönliche Sicherheit geben. Medikamente, Verbandmaterial oder spezielle Pflaster müssten Sie allerdings in Tirana nachfüllen oder besorgen, denn in den anderen Städte kann es sein, dass Sie das Benötigte nicht erhalten. Von Speziellen Medikamenten, die Sie einnehmen müssen, sollten Sie besser einen Vorrat mitnehmen mit einer Bestätigung des behandelnden Arztes und für Albanien eventüll eine albanische oder italienische Übersetzung dieser Bestätigung

Auch andere Hinweise während der Fahrt liesen mich diesen Teil der Fahrt abblasen. Auf der Autobahn von Tirana nach Shkoder zu fahren, ist nicht unbedingt lustig (100 km).

Ich beschloss, also per Bahn von Meereshöhe zurück zum Ohridsee (auf 800 m) zu fahren.

Am Schalter gab es keine Schwierigkeiten, nur der Preis war "erschreckend". Für die ca. 180 km brauchte die Bahn ca. 6 Stunden und kostete 210 Leke, was ca. 1,80 Euro (nicht ganz zwei Euro) kostete.
Der Bahnhof von Durrёs ist ein fast leeres Gebäude mit 2 Gleisen. Auf einem fuhr um 6:30 Uhr der Zug von Tirana über Durrёs nach Pogradec ein. Ich stellte das Rad ganz vorne beim ersten Waggon quer und lud meine 6 Gepackstücke ab. Ein junges Fräulein - Eva - hat mir dabei geholfen und hat sich dann als Glücksfall für diese Fahrt herausgestellt. Sie konnte nämlich Englisch.

Die albanischen Bahnen verwenden Waggonmaterial aus österreich, Deutschland und Italien. Bei den österreichischen erkennt man das übermalte OBB - LOGO. In den deutschen Waggons ist der Streckenplan von Baden - Würtemberg noch aufgehängt.

Auf alle Fälle bin ich mit vielen Fahrgästen ins Gespräch gekommen, und Eva übersetzte. Mit den Schaffnern und den mitfahrenden Polizsten (die sich nicht fotografieren lassen wollten, aber dauernd Domino gespielt haben) blödelten wir (teilweise auch ohne Dolmetsch) herum.

Der Herr mit dem albanischen "Eierhut" wollte unbedingt, dass ich in den Norden Albaniens fahre. Ich bräuchte dort nur sein Foto herzuzeigen und würde dann Unterstützung bekommen. Anfangs wollte er sich nicht fotografieren lassen, aber dann hat er mit sogar selber sein Kapperl aufgesetzt. Er hatte sein Enkerl mit und ich erzählte natürlich von meinen Kindern und Enkerln.

Jetzt am Abend war ich noch im Ohridsee baden!!!

24.07.2005
Bitola 1
Zur Zugfahrt von gestern:
Beim Einsteigen meinte die Schaffnerin (zuerst nein, das Fahrrad kann nicht mit - das Spielchen läuft so ja eigentlich überall. Ich bin dann einfach stehen geblieben und hab halt auf den ersten Waggon gedeutet, und einfach auf Deutsch drauflosgeredet, dass das Rad mitmuss, denn ich will ja weiterfahren usw. Die hat natürlich uberhaupt nichts verstanden, aber genau gewusst, was ich gemeint habe. Schliesslich hat sie gedeutet, ich soll das Rad einräumen. Mir war schon klar, was das bedeuten sollte.
Am Vortag hatte ich ja schon am Schalter gefragt, was die Fahrkarte für 1 Person (210 Leke) und für das Fahrrad (160 Leke) kostet, nur in der Früh war halt eine andere da und die hat meine Nachfrage nach der Fahrradkarte entweder nicht verstanden oder es hat sie nicht interessiert, auf alle Fälle hatte ich keine Fahrradkarte.
Gleich nach Fahrtbeginn kam dann die Schaffnerin und kontrollierte mein Ticket und wollte die Fahrradkarte. Sie schaute dabei streng drein, ich schaute schuldbewusst drein - sie hatt dann leise 200 gesagt (ich hab es halt so verstanden) - und sie hat kassiert (ohne Beleg!) - das war's dann.
Im Laufe der Fahrt stieg dann ein Oberkontrolleur zu (Eva hat mir das so erklärt) - ich merkte schon, wie die Schaffnerin nervös wurde, sie erwähnte dem Kontrolleur gegenüber nur ganz kurz das Fahrrad (und hat irgendwas dazu gesagt). Auf alle Fälle war die Dame dann nach dem Aussteigen des Kontrolleurs sehr viel gelöster und hat gelacht und Spass gemacht - sie wolle mit mir fahren, ich solle mit ihr nach Hause kommen, und lauter solchen Blödsinn - naja 6 Stunden Fahrt hin und danach 6 Stunden Fahrt zurück sind doch eine öde Sache.
Der Lokführer (es waren deren zwei) konnte vom ersten Waggon zur Lok vorgehen. Die Durchgangstür war einfach nicht da. Immer wieder setzte er sich zu uns. Die letzte Stunde hatte er einen Buben mit vorne auf der Lok.
Eine Familie stieg ein (mit dem Fahrrad). Das Rad hatte einen aufgeschweissten Kindersitz ganz vorne - so wie ich es für ein Kind sehr angenehm halte. Der Vater wollte sich auch unbedingt fotografieren lassen.
Immer wieder sind Leute durchgegangen und haben gefrorene(!) Getränke und Knabbereien angeboten. Auch Quitten in gelber und roter Form wurden angeboten. Ab der vorletzeten Station wurde auch Fische (im Plastiksackerl) angeboten.

Der Bahnhof vom Zielort Pogradec (am Südufer des Ohridsees) ist ca. 5 kam ausserhalb des Ortes bei einem Bergwerk. Als wir dort ankamen, warteten schon wieder ein Haufen Leute für die Rückfahrt. Busse warteten schon auf den Weitertransport - Jausenverkaüfer hatten ihre Standeln (meist nur Schachteln) aufgebaut. Als nach einer halben Stunde der Zug wieder zurückfuhr, blieb der Bahnhof verwaist übrig. Kein Mensch blieb dort - ein kleines Büro (nur mit Tisch und Sessel und einem Kasten) blieb übrig. Wenn man den Bahnhof dann sah, meinte man, es wäre ein Gebaude, das schön langsam verfällt.

Für mich hiess es nach dem Aussteigen rauf auf's Rad und die 37 km nach Struga (wieder in Makedonien) loszudüsen. Also, wieder rauf auf den Berg auf 933 m mit der Grenze und dann die Abfahrt nach Struga zum Hotel Royal, wo ich zum dritten Mal nächtigte.
Das Hotel hat eine schweizersprachige Mannschaft. Immer wieder wurde ich nach dem Essnen gefragt "guad xi?".

24.07.2005
Bitola
Heute bin ich wieder mal bei kühlem Wetter (oder ich habe mich schon akklimatisiert) von Struga aufgemacht nach Ohrid und von dort stetig aber lange auf 1200 Seehöhe raufgetreten. Es ging ganz locker (so ganz auch nicht, aber...).
Die Landschaft hat sich verändert.
Während in der Ebene von Struga/Ohrid Obstanbau in dichtester Weise betrieben wird, hat sich das nach dem Beginnen der Bergfahrt in eine schönes Tal verwandelt. Es hat so ausgeschaut wie im HelenenTal (Strasse bei Baden bei Wien in den Wienerwald). Wirklich nett und heimelig. Ich hab dann schon immer geschaut, wo die Strasse wohl über den Berg ging - ich wusste ja jetzt schon, dass es immer oben drüber ging.
Auf 1200 m Seehöhe war Schluss und eine flotte Abfahrt brachte mich in das Becken von Resen, das im Bereich des "Prespansko ezero" (274 km², 853 m über dem Meeresspiegel, 54 m tief) lag.
Das war der See, den ich von einigen Tage links liegen gelassen hatte. Dort fuhr ich zum See und badete 2 Stunden lang - ich und Pelikane, die draussen lange über dem Wasser schwebten und dann sich auf dem Wasser niederließen. Kein Fremdenverkehr, Ruhe, sauberes, warmes Wasser - da müsste man sein (und ich war da!).

Aber schliesslich wollte ich ja weiter nach Bitola. Also wieder rauf auf den nächsten Pass (leider ohne Höhenangabe) - und von dort eine flotte Abfahrt bis nach Bitola.
Leider verpasste ich die Einfahrt in die Stadt und landete auf der Umfahrungsstrasse. Irgendwo schob ich das Rad querfeldein (vorbei an einer Zigeunersiedlung) und kam dann in die Stadt.
Dort suchte ich mir gleich das teuerste Hotel Epinal meiner bisherigen Tour (85 Euro).
Ich war positiv überrascht, wie schön sich die Gebäude der Innenstadt darstellen. Eine richtige Fanseite ist hier.

Bitola (türkisch: Monastir) ist die mit 86.400 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Republik Mazedonien. Sie liegt im Südwesten des Landes auf 615 m Höhe am Flüsschen Dragor unterhalb des Bergmassivs Pelister. Die Entfernung zur nördlich gelegenen Hauptstadt Skopje beträgt 169 Kilometer, nach Ohrid sind es 66 Kilometer. In der Stadt leben neben Mazedonier auch Albaner, Türken und Aromunen.

So und morgen fahre ich weiter nach Norden.

24.07.2005
Bitola 3
Nachtrag zu Albanien:
Zur Mercedes - Dichte habe ich folgende wissenschaftlich fundierte Erhebung gemacht. Ans Eckcafe gesetzt und 100 PKWs gezählt und den ANteil der Mercedes erhoben. Es waren genau 50. Daher sind in Albanien an der Ecke in Durrёs 50% der PKWs Mercedes.

Glückspiele: Vor einigen Jahren hat in Albanien ein Pyramidenspiel zur grossen Pleite der Leute geführt:
Dazu ein Teil eines Zeitungsberichts der Hambuger Morgenpost vom 17. März 1997:
So funktioniert der Schwindel: Der Spieler zahlt Eintrittsgeld (ca. 5000 D-Mark). Ihm wird versprochen, sein Kapital in kürzester Zeit zu vervielfachen. Bedingung: Nach dem Schneeballprinzip muß er möglichst viele neue Dumme finden, die ihr Erspartes "investieren" und sich dann selbst auf die Suche nach Mitspielern machen. Gewinner sind die, die am Anfang der Kette stehen, die letzten aber beißen die Hunde.
Zwischen 30 und 100 Prozent Profit in einem Monat - dieser Vorstellung erlagen alle Völker des ehemaligen Ostblocks ganz naiv die Vorstellung der Menschen von der Marktwirtschaft. Kapitalismus wurde als eine Art Zauberkunststück begriffen. Kein Wunder, daß die Verheißung der Kettenspiel - Abzocker vom schnellen Geld auf keinerlei Zweifel stieß. Gut die Hälfte der 3,2 Millionen Albaner machte mit. Viele verpfändeten Haus und Hof. Jetzt ist ein Drittel des Volksvermögens weg.
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Ich habe in den Städten in jedem Loch Lotterien - Spiele, Bingo - Hallen gesehen. Ich wurde auch mit österreichischen Fussballvereinen konfrontiert (GAK, Wiener Austria, Rapid). Auf meine Frage, warum sie diese kennen, war die Antwort: "lotteria".

Da geb ich mein Geld doch lieber für mich sinnvollere Sachen aus - ich zahl doch keine Idiotensteuer (es verzeihen mir die Toto - /Lotto - /Casinospieler unter den Lesern).
25.07.2005
Veles / früher Titov Veles
Ab Bitola habe ich mich aufgemacht, über Prilep nach Veles zu fahren. Landschaftlich war das einer der schönsten Abschnitte.

In Bitola habe ich noch in die katholische Kirche geschaut. Eine quadratischer Kircheninneraum mit einer riesigen Ikonostase, sehr schön bemalt - ein Schmuckstück.
Um 7:00 Uhr früh haben die Kirchenglocken geläutet - eigentlich sehr aufdringlich, wenn ich an das "Lautmachen" der Moslems denke. Ich habe auf der ganzen Fahrt nur 2 x in den Dörfern den Muezzin rufen hören, und 1 x in Durrёs um 4:00 Uhr früh (dieser hat sogar sehr schön gesungen). In Bitola stehen katholische Kirche und Moscheen eng beisammen - ein gutes Zeichen!

Richtung Norden bin ich die Hauptstrasse gefahren - in der Ebene eine sehr öde Sache. Wenn ich da meinen Kilometerzähler nicht hätte, dann würde ich gar nicht merken, wie es weiter geht. In der Flussebene wird angebaut, was das Zeug hält. Rinderzucht wird nur in kleinem Ausmass dort betrieben. Immer sind 10 Stück Rinder mit eigenem Hirten auf einem kleinen Flecken beim Fressen. Ich glaube auch, dass das Gras einfach zu zäh und hart ist.
Der heurige Sommer soll ja hier sehr regenreich sein - sonst würde um diese Zeit alles schon braun sein. Aber es ist sehr viel grün.

Das Städtchen Prilep liegt an den Ausläufern des Mazedonischen Mittelgebirges. Ich widerstand der Versuchung, mit der Eisenbahn nach Veles zu fahren.
Daher ab Prilep gings bergauf (natürlich in praller...). In Prilep hatte ich mich mit Paprika und Zuckermelone versorgt. Langsam stieg ich höher bis in 998 m Seehöhe (die restlichen 2 Meter ging ich neben der Strasse ins Gelände). Dort belohnte ich mich mit der Melone - ein Traum. Die Gebirgslandschaft war beeindruckend.
Vor allem dann ...: 30 km bergab - das gibt es wirklich. Eine weitläufige Landschaft mit Marmorsteinbrüchen, eine grosse Weite, eine gute Strasse, Laster, die mich überholten, was will ich mehr - ausser den Gegenwind, den hatte ich nämlich, und das bergab - eine Schande.
Die Landschaft änderte sich - bis ich in ein Becken kam, das ein Teil des Paradieses sein könnte. Obstanbau und da vor allem Pfirsiche und Nektarinen. Die Bauern waren mit Ladungen von Pfirsichen und Weintrauben unterwegs. Auf einem Spezialmarkt wurde von diesen Bauern von Grosshändlern die Ernte abgekauft und in einen bereitstehenden Grosslaster gesammelt. Der Geruch war berauschend. Die Tomaten, die dort in Schlauchtunneln wuchsen, hatten die Grösse von Männerfäusten, da gibt es keine kleinen Zwutschgerl von Tomaten.

Nachdem die Sonne dann nachgelassen hatte, ging auch das Radeln leichter. Bis nach Veles kam ich noch, dann reichte es.
Das einzige Hotel Vila Sora hier ist so ein richtig schönes Ehemals - Kommunistenhotel (einfache Ausstattung, sehr vernachlässigt, etwas schmuddelig, aber das Bett ist sauber! 15 Euro).

Manastirs (Klöster), meist nur eine kleines Kirchlein mit einem kleinen Wohnhäuschen dabei, gibt es auf dieser Strecke ca. 20. Die sind aber immer 5 km, 20 km von der Hauptstrasse weg und auf einer Schotterstrasse erreichbar.

Heute waren es 129 km.


26.07.2005
Veles 2
Heute hab ich mir vorgenommen einen ruhigen Tag zu absolvieren - und es gelang auch.

Um 1/2 7 Uhr bin ich in der Frische los nach Osten Richtung Stip. Ich hatte in der Karte gesehen, dass dort in der Nähe ein Thermalbad sei und dachte, ein bisschen Wärme täte meinen Körper sicher gut.
Die notwendige Steigung (ohne die hier in Makedonien sowieso nichts geht) war nach 5 km geschafft. Dann war ich auf einer Hochfläche.
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Dort sah man weit und angebaut wurde: Mais, Tomaten, Pfirsiche, Wein, Melonen, Paprika.
Offenbar ist heuer wirklich genügend Wasser da, denn künstlich bewässert wurde ausgiebig. überall spritzte Wasser herum. Wenn man Glück hatte, kam man selber auch in so einen künstlichen Regen.

Auf so einer Hochfläche ist ja nicht alles eben, daher gings auch hier rauf und runter, aber eben sehr sanft. Das hat auch den Nachteil, dass kein Schatten vorhanden ist. überhaupt ist Makedonien ein Land ohne Schatten. Baumschatten gibt es an der Strasse wenig. Bergschatten überhaupt nicht, man ist also immer der Sonne ausgesetzt.

Alle 10 km (so weit es eine Erfrischungsstätte zuliess) setzte ich mich in den Schatten, trank Fruchtsaft, Wasser ohne, Wasser mit und Schweppes. überall blieb ich 1/2 Stunde. Bei jedem Brunnen erfrischte ich Gesicht und Hände mit dem kalten Wasser.

In ein kleines Dorf bin ich dann hinein und hab dort eine verfallende Moschee gefunden.

Vor dem Ort Stip (Schtip) kam die eingleisige Bahnlinie neben die Strasse und führte zum Bahnhof. Da ich gerne Bahnhof schaue, setzte ich mich dort in den Schatten. Ich war müde und dachte, ich bleib einfach sizten, irgendwann wird schon in nächster Zeit ein Zug kommen.
Drei Leute saßen dort (offenbar der Bahnhofsvortstand, eine Putzfrau, ein Gehilfe) im Schatten und schauten, warteten. Ich grüsste und sagte dann nichts mehr. Ab und zu läutete im Büro das Telefon, der Fahrdienstleiter ging hinein, machte die Tür immer zu und kam dann nach 10 Minuten wieder.
Ein Putztruppe tauchte auf und leerte den Mistkübel. Die Putzfrau nahm nachher den Besen und kehrte den Platz zusammen.
Immer wieder versank ich im Halbschlaf, wurde von den anderen eigentlich ganz selbstverständlich hingenommen.
Andere Leute kamen - unterhielten sich mit den Anwesenden, und setzten sich dazu. Aus dem Büro wurde ein Sessel geholt. Ich dachte irgendwann wird wohl ein Zug kommen, wenn immer mehr Leute werden.
Das im Schatten sitzen tat mir gut, ich kühlte angenehm ab.
Eigentlich sah ich das Geschehen dann am Bahnhof wie ein Theaterstück, alles wartete.
Mir wurde dann ein Pfirsich und Kaffee angeboten.
Nach 1 1/2 Stunden dachte ich mir, ich fahr doch mit dem Rad weiter und fragte, wann der nächste Zug denn komme. Die schauten mich an und einer erklärte, dass auf dieser Strecke keine Züge mehr fahren.
Seltsam.

Als ich dann nach Stip kam, sah ich - oh Wunder - ein Schwimmbad mit einem 50 m - Becken. Therme hin oder her, ich begab mich ins Bad. Liegeflächen gab es in Form von betonierten Flächen. Aber ich stürzte mich hinein und blieb so lange im Wasser, bis ich endlich wieder mal eine Gänsehaut hatte. Dann wieder kurz in die Sonne und wieder ins Wasser. Dann hingelegt und eingeschlafen.

Aber jedes Vergnügen hat ein Ende. Ich machte mich auf, die Strecke über diese hügelige Hochfläche zurückzufahren.
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Gegen 18:00 Uhr kam ich wieder in meinem Hotel in Veles an, legte mich in die mit kaltem Wasser gefüllte Wanne und trank ein Bier. Da ich nie ein Bier trinke (eigentlich nur bei den Radfahrten), war ich bald eingeschlafen und erst um 1/2 8 wieder einsatzfähig.

Ernähungsgewohnheiten: Neben regelmässig vielem Trinken (meist Wasser, Fruchtsäfte, auch Schweppes, wenig Limo), vernichte ich auch Joghurt (kühles, reines Joghurt), Obst, sonstiges (ordentliches) Essen geht mir eigentlich nicht ab - 1 x am Tag (am Abend) eine Pizza, ein Bifstek (so schreibt man das da) oder ein Salat, das war es schon.

Preis: es werden viele Salate in Restaurants angeboten - Salat mazedonischer Art (Tomatensalat mit Zwiebel, Pfefferoni) eine ordentliche Portion 60 Denar (=1 Euro).

Mit der Herumtrödelei am heitigen Tag sind es immerhin wieder 85 km geworden.

27.07.2005
Veles 3
So - heute war ein besonderer Tag.
In der Früh bin ich vom Hotel in Veles, das ich bis Samstag behalten werde, mit dem Rad auf der Autobahn zum Flughafen Skopje geradelt.

Autobahnradeln ist ein Genuss, den ich nicht so schnell wieder haben werde (ich werd es mal in österreich bzw. Deutschland probieren ; - )).
Endlos ziehen sich Steigungen sanft hinauf, sanft geht es dann bergab (mit dem Rad kommen da schon 50 km/h ohne viel Treten zusammen).
Der Höhepunkt für mich war heute dabei folgender: Wunderschöne Bergabfahrt (56 km/h), da kommt auf einmal ein Autobahntunnel daher. In so einem Tunnel ist es nicht ohne. Die Frage ist, sehen einen die Autofahrer, wenn sie vom Licht ins Dunkel kommen? Was kann man da tun? Das Rad durchschieben (wenn kein Gehsteig vorhanden ist?) Den Pannenstreifen im Tunnel gibt es nicht...
Daher hab ich nach hinten geschaut und mir gedacht, wenn ich eine LKW erwische, der langsam bergab fährt, dann kann ich wohl hinter ihm (und damit in seinen Schutz) dahinradeln.
Aber wie ich sah, war die Zulaufstrecke für den Tunnel 1 km gerade, d. h. ich sehe, wenn hinten ein Auto kommt, der Tunnel war gerade - es kam kein Auto, der Tunnel war 750 m lang.
Daher hab ich vollen Anlauf genommen und bin mit dem grössten Gang (den ich sonst nie nutze) in den Tunnel eingefahren. Immer wieder habe hinter mich geblickt, kein Auto kam, ABER auf einmal war vor mir da im Tunnel ein ganz langsamer LKW. Ich hab mir gedacht, gut, bei dem hängst Du Dich in den Windschatten. Aber der fuhr entsetzlich langsam - was tat ich, ein intensiver Blick zurück, kein Auto in Sicht, ich den nicht vorhandenen Blinker raus (nicht mal Handzeichen hab ich gegeben - es war ja keiner hinter mir), raus auf die Überholspur, den Laster in kurzer Zeit überholt, und raus aus dem Tunnel.
Klingt ja wild, aber es hat mich schon mit grosser Zufriedenheit erfüllt, ich mit dem Rad auf der Überholspur in einem Autobahntunnel!

Nach insgesamt 38 km landete ich am Flughafen ins Skopje. Daher war eine schöne Runde von ca. 900 km Radfahren in Makedonien und Albanien erledigt.
Damit war meine Radtour beendet.

Am Flughafen mietete ich ein Auto bei Europcar (musste 1 1/2 Stunden warten, da der Wagen erst gereinigt wurde). Mit diesem Wagen werde ich die nächsten drei Tag in Makedonien unterwegs sein und mir die Dinge anschauen, die ich schon oder doch nicht ganz gesehen hatte.

Daher ist auch mein Radtagebuch damit beendet.
Wenn Du weiterlesen willst, dann ist das zwar ein Reisebericht, aber kein Radbericht mehr - also weiterlesen auf eigene Gefahr.
Weiterlesen zahlt sich vielleicht doch aus, denn manchmal fällt mir wieder was zur Radtour ein

27.07.2005
Veles 4
Beim Radfahren sind mir insgesamt 3 mal Schildkröten untergekommen. Eine Grosse lag zusammengefahren mitten auf der Strasse. Eine kleine habe ich vom Mittelstrich aufgeklaubt und in den Strassengraben gesetzt. Eine mittlere ist mir heute noch beim Radfahren flott (was bei einer Schildkröte heisst, dass man sieht, dass sie sich fortbewegt) die Strasse überquerend untergekommen.

Bei uns zu Hause gibt es den Bofrost (das ist so einer wie der Eismann, oder sonst irgendeiner 'Tiefkühlkost nach Hause Lieferant'). Der wirbt ja mit unglaublicher Frische. ABER hier hab ganz anderes gesehen (2 mal): der Metzger kam zum Gasthaus mit den zwei lebenden Schafen. Die Beine der Schafe wurden zusammengebunden, die Schafe meckerten. Das Messer wurde geschliffen und mit einem Schnitt wurde die Halsschlagader durchgeschnitten, das Blut rann heraus (auf den Parkplatz des Restaurants), das Schaf zuckte noch einige Male mit dem Kopf und wurde auf Haken zum Ausbluten aufgehängt. Nach einer halben Stunde hatte der Metzger die beiden Schafe sauber ausgenommen und zerlegt und fuhr wieder ab. Das ist Frischezustellung!!!

In der 4. Klasse Volksschule hatte ich ein Lesebuch, da war eine Geschichte drin: "Die Strasse ist ein Lesebuch" und meinte damit, dass überall Schilder sind, die man zum Lesenüben nutzen kann. Mir hat dieser Spruch immer sehr gut gefallen. Wie ein Erstklassler setze ich die Buchstabenzeichen um und wenn ich die Buchstabenlaute aneinandergefügt habe, dann wiederhole ich das ganze Wort. Aber ich werde immer besser!
Habe ich mal den Laut des Wortes im Kopf, ist das Verstehen eigentlich kein Problem. Seit ich vor Jahren Tschechisch im Selbststudium (bis zur Lesson 8) gelernt habe, erkenne ich, dass slawische Sprachen einander ähnlich sind (no na).

Das mit der Sprache ist aber sowieso witzig. Ich grüsse beim Radeln eigentlich sehr viele Leute, Hirten mit ihren Schafen, Ziegen, Rindern rufe ich meist ein \"Griasdi\" oder \"Guten Morgen\" oder \"dobri den\" oder \"dober dan\" zu. Vorgestern hat so ein Hirte gleich auf mein \"Guten Morgen\" zurückgerufen: \"Guten Tag, Chef, wie geht\'s?\"

So bisher ist es wieder ein Teil vom Radbericht geworden, aber jetzt kommt das nach dem Radfahren.

Da ich mit dem Mietwagen nicht aus Makedonien raus darf (ich wollte zu den Rila - Klöstern in Bulgarien und nach Pristina im Kosovo), nahm ich mir vor, ich fahr mal zur Grenze nach Bulgarien.

Also über Stip (da war ich gestern mit dem Rad im Schwimmbad) nach Kocani und dann rauf auf den Berg. Wie ich da heute mit dem Auto gefahren bin, hab ich mir gedacht, wauuu! wie weit ich da gestern mit dem Rad gefahren bin und ich eigentlich froh bin, dass ich nicht da auf die bulgarische Grenze rauf bin, denn da stieg es ganz ordentlich an.
Immer wieder dachte ich mir, so jetzt wird wohl wieder der Pass kommen, aber auf einmal, hat sich eine neue Hügelgruppe aufgetan und wieder ging es Stufen höher. Seltsam war, dass auf einmal ganz oben am Berg wieder ein neues fruchtbares Hochland mit grossen Siedlungen war.

Da sah ich einen Wegweiser, der nach Sasa mit einem Bergwerkzeichen wies. DA dachte ich mir, da fahr ich hin (mit dem Rad hätte ich es sowieso nicht gemacht). 10 km ins Tal hinein, immer wieder wurde die Strasse enger, immer wieder machten sich weitere Nebentäler auf, an deren Ende ich wieder Siedlungen hoch oben am Berg sah. Endlich kam ich in die Nähe von etwas, was so aussah wie ein Bergwerk. Ein riesiger (getrockneter) Schlammberg versperrte das Tälchen und die Strasse ging seitlich vorbei. Steine (vom Gesteinsausbruch) lagen links und rechts vom Weg und die Strasse endete im Bergwerksgelände. Kein Weg ging daran vorbei, obwohl ich im Hintergrund noch Häuser am Berg oben sah. Ich werde mich kundig machen, was das für ein Bergwerk war (ich schaue im Makedonischen Schulatlas nach).

Seit der Rückkehr von Albanien habe ich grundlegende Unterschiede zwischen AL und MK gemerkt (soweit man das auf einer solchen Reise merken kann). In Makedonien sind die Strassen sehr gut, in Albanien gibt es ausgezeichnet ausgebaute Strecken (die Hauptstrecken), aber auch klägliche unbefestigte Nebenstrecken.
In Makedonien sind die Autofahrer sehr gesittet, ein Hupen gibt es hier wirklich nur im Notfall, jeder nimmt sehr viel Rücksicht auf andere. Über die Huperei und Raserei in Albanien hab ich ja schon früher geschrieben.
Makedonien ist ein sehr gepflegtes Land, die Makedonier sind stolz auf ihr Land und Ohrid ist offenbar der Höhepunkt, weil jeder fragt, ob ich schon dort gewesen bin.

28.07.2005
Veles 5
Heute hab ich das Rad nur kurz auf Anwesenheit überprüft, das war schon alles.

Ich startete mit dem Auto (Kalos, Courvette - Autokennzeichen SK 235 OE, das hinten heisst sicher Österreicher) los, in der Absicht, die geradelte Strecke im Grossen und Ganzen nachzuvollziehen.

Zuerst bin ich nach 40 km in die Einöde gekommen, die Leute haben gesagt, ja das geht es nach Prilep, aber...
Was ich dabei gefunden habe ist eine Lungenheilanstalt, die als EU - Zusammenarbeit Österreich und Makedonien geführt wird.
Hinweise auf EU - Zusammenarbeit Makedoniens mit Italien, Deutschland hab ich auch gefunden (Wasserversorgung, Strassenneubau).

Dann bin ich wieder zurück an den Start und auf der Autobahn nach Süden und dann nach Prilep abgezweigt. Da ist mir auf der Autobahn ein Sport-Radler untergekommen (was für seltsame Sachen es gibt).

Ich habe gestaunt, welche Wegstrecke ich an einem Tag zurückgelegt hatte und auch welche Verhältnisse das waren.

Die Runde heute war Veles - Prilep - Bitola - Prespansee - Ohridsee - Baden - Kicova - Tetovo - Skopje - Veles.

Auch Zeit zum Philosophieren hatte ich:

Kennzeichen des Radfahrens:
- Man hat Zeit zum Schauen
- Man hat schöne Steigungen
- Man freut sich über Bergabstrecken
- Man hat nicht zwei Türen, zwischen denen man sich zum Baden umziehen kann
- Man braucht immer genügend Wasser zum Trinken
- Man hat keine Klimaanlage
- Man hat viel mehr Gänge zum Schalten
- Man kann (im Normalfall) nicht Radio hören, wenn man sowieso nichts versteht
- Man muss keine Autobahngebühr bezahlen
- Man muss, das was man zum Essen einkauft, bald einmal essen
- Man merkt, was Schatten wert ist
- Zwei Atlanten, die man kauft muss man die ganze Zeit mit herumschleppen
- Die 10 Unterhemden, die ich mit eingepackt hatte, bringt man ungebraucht wieder nach Hause (war es kalt beim Einpacken?)
- Man bekommt ab und zu Insekten auf die Brille geklatscht
- Man darf sich so ein blödes Kapperl aufsetzen
- Man kommt ins Hotel und möchte nur kalt brausen
- Man trinkt ein Bier

29.07.2005
Veles 6
Heute war ich schon wieder in einem anderen Eck Makedoniens. Im südöstlichen Eck liegt teils in Griechenland, teils in Makedonien der Dojransee (43 km², 148 m über dem Meeresspiegel, 10 m tief). Er hat einen nett hergerichteten Badeplatz

Was kann einem Ärgeres passieren als mir?
Neben der Autobahn waren Ausgrabungen angekündigt (Stobi). Da ich ja sowieso Zeit habe, habe ich mich entschlossen, mir das anzuschauen.
Offenbar bin ich der erste (9:30 Uhr) und noch einzige Besucher. Mein Auto ist auf alle Fälle ganz allein. Das unvermeidliche Restaurant ist gerade am Aufsperren - es wird zusammengekehrt und die Sesseln aufgestellt, der Sonnenschirm aufgespannt.
Naja, denk ich mir, schau ich mal den Haufen ausgegrabener Steine an und gehe aufs Grabungsgelände. Da springt schon einer daher und verlangt 200 Denar Eintritt (ca. 3,50 Euro). Es ist ein (halbes) Amphitheater zu sehen und sonst noch so einige Gebäudegrundmauern. Der Höflichkeit halber mache ich eine längere Runde und lese die Beschreibungen. Es wird schon heiss und ich will mich auf die Weiterfahrt machen. Da ruft mich einer an - ich sage mein Sprüchlein "Ich verstehe Sie nicht - I dont understand". Da redet er gleich auf Englisch weiter, stellt sich als Ausgrabungsleiter vor und beginnt mir die einzelnen Gebäude zu erklären (mazedonisch, vorchristlich, römisch, ...). Er führt mich dann auch zum angeschlossenen Museum, das Gott sei Dank nur einen Raum hat - ein Gehilfe muss extra das Museum aufsperren, Alarmanlage aus, Licht an, geduldig dastehen und zuhören, was der Ausgrabungschef so von sich gibt. Nach einer 3/4 Stunde ist er fertig mit seinen Ausführungen, erklärt mir noch, dass sich der weitsaus grössere Teil der Stadt jenseits des Flussufers befindet, dort aber militärisches Übungsgebiet sei und daher nicht gegraben werden darf.
Ich bin jetzt eine Zeitlang allergischy gegen Ausgrabungen.

Ich bin ja die letzten Nächte im Hotel in Veles (es liegt geographisch günstig, es ist nicht teuer 15 Euro/Nacht, aber es billig). Heute beim Frühstück hat mich der Kellner gefragt, was ich haben möchte, "Omelette???" So was will ich sowieso in der Früh nicht, sagte dann, ich möchte gern Brot, Käse, Kaffee und Juice. Er sagte, Käse, Kaffee und Juice müssten extra bezahlt werden. Ich könne Tee, Brot, Butter und Marmelade haben. Naja, hab ich halt das gegessen.
Beim Bett habe ich schon zwei Unterlagsbretter durchgedrückt, sodass meine Matratze nur mehr auf wenigen Brettern liegt, aber bis morgen wird es halten.

Auf alle Fälle freue ich mich, wenn ich wieder nach Hause komme. Mein Rad werde ich auch mindestens 2 Tage nicht mehr verwenden (oder 1 Tag).

30.07.2005
Wien
Bin gerade in Wien gelandet.
Damit endet mein Bericht.
Herzlichen Dank fürs Mitlesen!
Peter Rottensteiner

Statistik:
01. Tag: 033 km Salzburg - Skopje
02. Tag: 101 km Skopje - Mavrovo
03. Tag: 106 km Mavrovo - Struga
04. Tag: 095 km Struga - Ohridsee - Struga
05. Tag: 080 km Struga - Elbasan
06. Tag: 082 km Elbasan - Durrёs
07. Tag: 037 km Durrёs - Struga
08. Tag: 109 km Struga - Bitola
09. Tag: 129 km Bitola - Veles
10. Tag: 084 km Veles - Stip - Veles
11. Tag: 035 km Veles - Airport Skopje
Gesamt: 891 km


 Ich bedanke mich bei der Firma "Fahnen Gärtner" für die Österreichflagge, die mich auf der Tour begleitete.
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